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Pflegefall
Verfasst am | 01.09.2010 | Keine Kommentare
Durch Zufall stieß ich in meiner Mittagspause auf einen sehr guten und interessanten Artikel in der Berliner Morgenpost. Darin wird über die “Häusliche Pflege” geschrieben und Beispiele aus dem Alltag der Eheleute Schulz erzählt aber auch Erfahrungen vom “Pflege-in-Not-Telefon“. Einige dort beschriebene Szenen spielen sich nicht unweit von mir ebenfalls ab. Denn meine Großeltern benötigen ebenfalls häusliche Pflege und das ist, vor allem für Angehörige, wirklich keine Kleinigkeit.
Ich muss hier wirklich mit Stolz und Lob die Leistungen meiner Mutter hervor heben, die sich so liebevoll um ihre Eltern kümmert. Auch wenn diese sich mal völlig daneben benehmen, manchmal zwischen Dankbarkeit und Undankbarkeit schwanken oder die Lage völlig in Schreiereien eskaliert, wo auch ich einmal dazwischen gehen musste. Man kann dies den alten und pflegebedürftigen Menschen aber nicht wirklich anlasten. Denn wenn die eigene Gesundheit nicht mehr mitspielt und so jemand “außer Kontrolle” gerät, kann er selbst leider kaum was dazu. Schlimm ist es dann vor allem, wenn es sich auch noch diejenigen, die sich tagtäglich um sie kümmern, zu Herzen nehmen. Denn das darf man einfach nicht.
Der Grund ist ziemlich plausibel. Noch vor einigen Jahren hätten sich meine Großeltern nie so verhalten. Und manches davon meinen sie auch garantiert nicht so. Nur verlieren sie halt manchmal die Kontrolle, weil sie alt sind, weil sie von Krankheiten geplagt sind, weil ihr soziales Umfeld zum Großteil verstorben ist und nicht mehr existiert. Es sind so viele Gründe, die diese Veränderungen hervor rufen. Man darf sie sich als Pflegender einfach nicht zu Herzen nehmen und muss in solchen Momenten auf Durchzug schalten. Empfehlenswert ist es jedoch, sich hinterher den eventuellen Frust, die Traurigkeiten und Gefühle von der Seele zu reden und nicht komplett abzustumpfen und alles abzublocken. Denn das kommt sonst irgendwann wieder hoch und führt nur dazu, dass man selber auch erkrankt.
Daher konnte und kann ich auch heutzutage leider die Leute nicht verstehen, die sich auf ihren Lebensalltag, ihren Ruhestand, freuen und schon planen, was sie dann alles schönes machen werden. Das dies völlig utopisch ist und man sein Leben leben sollte, solange man noch Jung ist, vergessen viele dabei. Wenn man alte Menschen danach fragt, stimmen sie oftmals zu und wären gerne wieder jung, fit, gesund, dynamisch und würden noch so vieles unternehmen, wozu sie in ihrem Leben leider nie gekommen sind.
Das sie all diese Dinge hinterher denjenigen vorwerfen, die sich aufopferungsvoll um sie kümmern, ist zwar hart, traurig und vielleicht auch frustrierend aber man darf es nicht an sich rankommen lassen. Ich weiss, dass ist leicht gesagt und nur schwer umzusetzen. Aber man tut sich selber keinen Gefallen, wenn man aufgibt und sich diese Last freiwillig aufbürdet.
Mein Respekt geht daher an all diejenigen da draussen, die dies tagtäglich mitmachen und freiwillig ertragen. Denn darunter leidet auch ihr Leben und ist nicht mehr das, was es vielleicht mal war.
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