Das Leben des Holger Krause

Ein unglaubliches Blog über ein unglaubliches Leben




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Ballondilatation mit Stentimplantation im HDZ NRW

Verfasst am | 03.02.2010 | Keine Kommentare

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Die letzte Woche war für mich sehr Ereignisreich und da ich diesen Blog hauptsächlich für meine Freunde betreibe und diese sich dafür interessieren, wie es mir geht und was ich so erlebe, möchte ich in diesem Artikel einmal darüber berichten.

Seit meiner Geburt litt ich leider an einer Aorthenisthmusstenose. Dabei handelt es sich um eine Verengung oder Einengung der Hauptschlagader (Aorta) im Bereich des Aortenbogens. Leider waren in den 80ern die Ärzte noch nicht die allerbesten und medizinisch wohl noch nicht Erfahren und gut ausgerüstet genug um dies gleich bei mir zu diagnostizieren. Als ich also gerade frisch geschlüpft war und mein Körper eine bläuliche Verfärbung aufwies, sagte einer der Ärzte zwar “Na wenn da mal kein Herzfehler vorliegt” aber scheinbar hielt man mich dann doch für Kerngesund. Zumindest ist dies heutzutage meinem Geburtspass und was es dazu alles so an Aufzeichnungen gibt, zu entnehmen. Auch die Sauerstoffwerte erhielten “witzigerweise” die höchste und somit beste Punktzahl.

Zu Unrecht, wie ich mittlerweile weiss aber es nun nicht mehr ändern kann. Im Alter von 3 1/2 Jahren, nachdem meine Eltern bereits mehrere Kinderärzte durch hatten, entdeckte ein sich gerade neu bei uns angesiedelter Hausarzt, der von der Medizinischen Hochschule in Hannover (MHH) stammte, meine Erkrankung und lies mich umgehend in die MHH zur Untersuchung einweisen. Wäre dieser Arzt nicht gewesen, wäre ich vermutlich innerhalb der darauffolgenden Jahre daran verstorben. In der MHH führte man damals verschiedene Untersuchungen und Eingriffe durch, darunter eine Herzkatheter- Untersuchung sowie einen operativen Eingriff, bei dem u.a. meine Aorta aufgetrennt, die Enge herausgeschnitten und beide Aortenenden wieder miteinander vernäht wurden (End-zu-End-Anastomose). Da bei diesem Verfahren durch die Nahtstelle eine Restenge oder Wiederverengung (Re-Stenose) auftritt, wurde etwas später noch eine Ballondilatation durchgeführt. Von da an war ich soweit geheilt und musste lediglich ein paar Tabletten am Tag einwerfen um ein soweit völlig normales und gesundes Leben führen zu können.

Dies ging lange Zeit gut. Irgendwann im Erwachsenenalter nahm ich dann durch die Pubertät aber auch vor allem später, durch den Wechsel in einen Job mit sitzender Tätigkeit, einiges an Gewicht zu. Zu Spitzenzeiten hatte ich ungefähr 35kg +/- zuviel auf den Rippen. Und da mein Leben ansonsten ja so normal war, wie das all meiner Freunde und rauchen damals noch nicht ganz so verpöhnt war wie heute, hatte ich natürlich auch geraucht. Als Bluthochdruckpatient also das beste, was ich tun konnte. Ist natürlich ironisch gemeint. ;-)

Irgendwann reichte es meinem Körper dann wohl und er reagierte auf meinen lockeren Lebensstil mit noch mehr Bluthochdruck, der dann mit einem weiteren Medikament behandelt werden musste. Ich nahm inzwischen Beta-Blocker, ACE-Hemmer und nun noch einen Kalziumantagonisten. Davon wurde der Schwindel geringfügig besser, der durch den hohen Blutdruck kam aber das Zeug schlägt merklich auf das Gemüt und man verändert sich geistig leicht. Ich kann das nicht genau beschreiben aber so glücklich und unbeschwert wie früher war ich seitdem nicht mehr.

Dann kam die Wende. Ich entschloss mich mein Leben in vielerlei Dingen zu verändern. Eine sehr große Hilfe war dabei meine damalige neue Freundin, die es natürlich auch heute noch ist und welche ich sehr liebe aber auch die Unterstützung meiner Eltern und Freunde, denen ich dankbar für alles bin. Zu dieser Wende gehörte auch die Entscheidung, so nicht weiterleben zu wollen und die Gesundheit zu verbessern. Dies fing damit an, dass ich erstmal über 10kg abgenommen und mit dem Rauchen aufgehört hatte und jetzt zwar noch immer ca. 25kg zuviel habe aber einen entscheidenden und wichtigen Schritt damit getan hatte.

Anfang 2010, am 26.01.2010 um genau zu sein, war es dann soweit. Auf anraten meines Kardiologen aus Rinteln, welcher wirklich sehr sehr gut ist, nahm ich sein Angebot an, mich im Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen (HDZ NRW) stationär aufnehmen, untersuchen und behandeln zu lassen. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich zwar bereits, was mich erwarten würde aber man blockt ja vieles erstmal ab und so ging ich auch noch recht unschlüssig, ob ich’s wirklich machen lassen würde, dorthin.

Zwei Tage lange wurde ich gründlich untersucht. Röntgen, EKG, Ultraschall, Belastungsfahrrad mit Luftmessung über eine Atemmaske, Blutabnehmen, Kernspintomographie (MRT) mit Kontrastmittel spritzen lassen, Blutdruckmessungen, abhorchen und Gesprächen mit zwei sehr erfahrenen Kardiologen sowie demjenigen, der den Engriff durchführen würde. Zusätzlich hatte ich noch einen sehr netten Bettnachbarn, welcher irgendwann in den 80ern mal 8 Meter irgendwo runtergefallen war und das überlebte. Seitdem wurde er schon 8 mal wiederbelebt mit dem Defibrillator, hat über 25 Operationen über sich ergehen lassen müssen, Morphiumpumpe einpflanzen lassen und ebenfalls eine Herzkatheter-Untersuchung gehabt. Er hatte also viel Erfahrung und konnte mir sowohl beruhigendes als unberuhigendes darüber erzählen, da meine Erinnerungen aus meiner Kindheit leider diesbezüglich verschwommen sind.

Wenn man zwei Tage dort ist, all das mit sich machen lässt, all diese Gespräche führt, von den Menschen, die man sehr liebt und gerne hat besucht wird, dann kommen eine Menge Emotionen hoch, man überdenkt sein Leben, überlegt ob man das Risiko eingehen möchte oder ob man doch noch auf den letzten Metern kneift. Die Entscheidung war für mich also sehr schwer. Ich hatte einerseits viel zu verlieren, andererseits aber auch die Chance auf ein neues Leben, bzw. auf eine gesundheitliche Verbesserung. Irgendwann wurde mir dann also klar, ich lass es machen und kneif halt mal die Arschbacken zusammen. Wird schon gut gehen.

Der Eingriff ansich war dann, wie zu erwarten, doch eines der schlimmsten Erlebnisse meines Lebens. Die Braunüle, welche mir der Narkosearzt auf meiner linken Hand in die Adern schob, tat höllisch weh. Anschließend wurde mit einer Kochsalzlösung durchgespült, was ebenfalls scheissenweh tat. Meine ganze linke Hand tat danach erstmal weh. Währenddessen wurde ich “untenrum” noch ein zweites mal rasiert, da die Ärzte da noch pingeliger sind als der Pfleger, welcher mich rasiert hatte. Was für ein vergnügen. Anschließend wurden Leistenpulse getastet und mindestens drei mal schön mit einer großen Nadel hinein um zu betäuben. Da ich wusste, es würden Schmerzen sein, biss ich die Zähne zusammen und versuchte nicht unten rum zu krampfen, da es sonst noch mehr weh tun würde. War aber egal. Tat trotzdem scheissenweh. Puh, danach kam dann auch endlich das Zeug, was mich duselig machte und so bekam ich garnicht so genau mit, dass die Schleuse unten eingeführt wurde. Ich merkte lediglich Dinge wie das Kontrastmittel, was noch mehr wie Feuer brannte als beim Kernspin und die Pulsbeschleunigung auf ca. 160 oder 180 Puls um unter Belastung den Druck vor und nach der Enge messen zu können. Irgendwo mittendrin haben die dann auch den Stent platziert und fünf Minuten nach dem Eingriff war ich schon wieder bei Bewusstsein. Da die Beruhigungstabletten vorab wohl nur Platzebo’s gewesen waren, war ich nervlich echt erstmal bedient und am Ende.

Einen Tag später wurde ich entlassen. Tablettentechnisch wurde eine Empfehlung aufgeschrieben aber ich müsste selber messen und ggf. die Anpassungen, zusammen mit Hausarzt und Kardiologen, vornehmen. Da ich aber zu Hause weder Hausarzt noch Kardiologen vor Ort habe, bleibt der Teil also so gut wie völlig an mir hängen. Gott sei dank kenne ich meine Medikamente sehr genau und weiss, wann mein Körper Blutdruckerhöhungsphasen hat und wann ich was einwerfen muss. Ohne dieses Wissen wäre ich ziemlich am Arsch und ärgere mich auch sehr darüber, dass man heutzutage nicht noch eine Woche im Krankenhaus bleibt um dort vom Fachpersonal richtig eingestellt zu werden.

Mittlerweile habe ich ungefähr meine Tagesdosis rausgefunden aber da sich täglich mein Körper nun verändert und darauf reagiert, dass keine Enge mehr vorliegt und ich quasi sogesehen endlich Gesund bin, ein von Ärzten genanntes “Re-Modelling” stattfindet, muss ich jeden Tag mal mehr vom Beta-Blocker oder mal mehr vom ACE-Hemmer geben. Je nach Blutdruck- und Pulssituation. Somit gibt es noch jeden Tagen ein bis zwei Phasen die über ein bis mehrere Stunden andauern können, wo ich mich nicht wohl fühle und wo ich teilweise auch einfach nur ruhig liegen muss, bis die Medikation endlich wirkt. Einerseits muss ich aufpassen, nicht zu wenig zu nehmen, da sonst der Blutdruck binnen weniger Minuten umschlagen und sich erhöhen kann. Andererseits auch nicht zuviel, da sonst Puls und Blutdruck so niedrig sind, dass einem schwindelig, schummerig oder müde wird und man denkt, gleich geht’s Licht aus. In dem Fall hilft notfalls dann ein Bier + Bewegen um den Puls wieder so hinzubekommen, dass er nicht gänzlich unter 45 oder gar 40 fällt. Denn das ist unangenehm und auch nicht gesund.

Leider lässt sich das derzeit noch nicht abschätzen, wieviel ich wovon wirklich brauche. Mal hilft dieselbe Dosierung an einem Tag perfekt und am nächsten ist es dann schon wieder zu wenig oder zuviel. Der Körper ist halt jeden Tag ein wenig anders drauf. Das macht es schwierig, eine passende Dosis zu finden. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich wieder einen produktiven Status hinbekomme.

Geblieben ist lediglich der Systolische Unterschied zwischen rechtem und linken Arm von ungefähr 10-30 mm Hg. Dies führt teilweise, so vermute ich, auch dazu, dass es mir zeitweise nicht so gut geht, da man das spürt. Es kann sein, dass sich das noch reguliert und zurück bildet aber die Ärzte aus Oeynhausen vermuten eher, dass dies bleiben wird. Man kann dann noch schauen, ob die Unterschiede durch verengte andere Gefäße wie beispielsweise Oberarm und Schulter kommt, was diesen Messunterschied ausmachen könnte aber ich muss nun erstmal drei Monate abwarten, bis zum nächsten Kernspin in Oeynhausen. Dann wird geschaut, ob mit dem Stent soweit alles in Ordnung ist. Da ich aber noch recht jung bin, der Eingriff super geklappt hat und die Ärzte dort sehr Kompetent sind, gehe ich von einem positiven Ergebnis aus. Inwieweit wir dann gemeinsam rausfinden können und werden, woran die scheiss Differenz noch liegen könnte, muss und wird sich dann zeigen.

Bis dahin möchte ich nochmal allen Danken, die in dieser Zeit für mich dagewesen waren, an mich gedacht, mir die Daumen gedrückt, sms- oder angerufen haben oder vorbei gekommen sind. Vielen Dank! Eure Unterstützung hat mir sehr geholfen, dass alles durchzustehen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass ich die Entscheidung nicht bereue und es richtig war, dies durchführen zu lassen. Der Gradient, der für den Druck bei der Stenose (Verengung) an der Aorta vorhanden war, konnte damit vollständig beseitigt werden. Dies wird langfristig dazu führen, dass meine Aorta nicht mehr so hohen Belastungen ausgesetzt ist und mein überdurchschnittlich großes Herz sich langsam wieder zurück bilden kann. Ich kann es also jedem, der ähnliches hat, nur ans Herz legen, dies durchführen zu lassen. Denn das ist allemal besser als mit der Belastung weiterzuleben.

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